Pirates vs. Malice in Lalaland

Die Redaktion von pornoklassiker.de äußert sich normalerweise nicht zu aktuellen Pornoproduktionen, denn wir vertreten die Meinung, dass es seit 1994 keine Pornos mehr mit Erinnerungswert gab, von Meisterwerken ganz zu schweigen. Doch zwei Filme werden nun seit geraumer Zeit als die herrausragenden State-Of-The-Art-Pornos gehandelt: Pirates 2 -Stagnetti's Revenge und Malice in Lalaland. Stimmt es, was geschrieben steht, so haben wir es dieses Mal tatsächlich mit Meisterwerken des Pornokinos zu tun. Diese Botschaft wird einem medienübergreifend derart um die Ohren gehauen, dass auch wir uns der Sache nicht länger verschließen können und uns in der Pflicht sehen, über die Filme zu berichten und zu vergleichen.

Lassen wir Malice gegen die Piraten antreten, gewinnen die Piraten mit ungefähr 3 zu 1, denn...

... Malice in Lalaland ist ein sehr lauter Film, der aber, wenn man sich was in die Ohren stopft, ganz unterhaltsam ist. Komplett überzeugen kann er nicht, doch der Versuch, sich mit Elementen des Kunstkinos vom Pornomainstream abzuheben, ist einigermaßen geglückt.

... Stagnetti's Revenge, der zweite Teil von Pirates, überzeugt dagegen auf ganzer Linie. Damit war nicht zu rechnen, da der erste Teil ziemlich daneben ist.

 

Malice in Lalaland

Filmdaten:

Land: USA
Jahr: 2010
Länge: 98 Min.
Regie: Lew Xypher
Besetzung: Sasha Grey, Dirty Fred, Stephen Powers Andy San Dimas, Keni Styles, Ron Jeremy, Danny Mountain, Chayse Evans, Chris Johnson, Alan Stafford, Kagney Linn Karter, Jesse Capelli, MacKenzee Pierce, Alyssa Reece, Kristina Rose, Julez Ventura, Sadie West, Tommy Gunn, Billy Glide, Phoenix Marie, Jenna Presley

Sasha Grey

Malice in Lalaland

Pirates 1&2

 

Die schlechte Nachricht zuerst: Sasha Grey dreht inzwischen keine Pornos mehr. Im April 2011 verkündigte sie überraschend ihren Rückzug aus dem Geschäft. Überraschend deshalb, weil alle Welt glaubte, Sasha Grey liebe ihren Job so sehr, dass sie ihm bis ins hohe Alter treu bleibt. Nach über 200 selbstbewussten Filmauftritten in 6 Jahren und nach all dem, was sie in Interviews gesagt hat, hätte das gepasst. Doch denn hieß es plötzlich, dass es an der Zeit sei aufzuhören, da die Mission erfüllt ist. Diese habe darin bestanden, dem langweiligen Pornomainstream etwas radikal Neues entgegenzusetzen. In der sehr empfehlenswerten Dokumentation 9to5 Days in Porn legt Sasha Grey ihre Beweggründe dar: "Ich bin in der Pornobranche, weil die meisten Pornos langweilig sind und mich weder physisch noch visuell erregen.(...). Ich bin entschlossen und bereit, der Stoff zu sein zu sein, der alle Fantasien erfüllt. Ich will es versaut, dreckig und obzön machen. Ich will es kreativ machen. Ich will nicht das übliche 1,2,3-Programm: Blasen, Muschi, von hinten in den Arsch und dann ins Gesicht spritzen. Das kotzt mich an! Das ist 08/15." Klug gesprochen gesprochen, doch ist zumindest diese Mission gescheitert, denn vor der Kamera agierte Sasha Grey eigentlich auch nur nach Schema F. Was sie auszeichnete und was sie von ihren Kolleginnen unterschied, war lediglich ihre fordende Art mit der sie zu Werke ging. Mit zunehmenden Ruhm achteten die Filmproduzenten schließlich auch verstärkt darauf, ihre Auftritte in kunstvoll durchgestylten Ambiente stattfinden zu lassen, doch über "das übliche 1,2,3-Programm" kam sie auch damit nicht nicht hinaus.

Eine andere Mission, die Sasha Grey bestimmt auch im Kopf hatte, war dagegen sehr erfolgreich: Getting fame and let's make lot's of money. Dieses Vorhaben hat sie sehr konsequent durchgezogen. Sie tat alles, um aufzufallen und sie sah dabei durchweg gut aus. Einige Darsteller sollen auf Grund ihrer expressiv selbstbewussten Art zwar Angst vor ihr gehabt haben, doch die meisten Männer und auch viele Frauen fanden sie toll. Einer ihrer prominenten Fans, Steven Soderbergh, fand sie sogar so toll, dass er ihr einen Film und die dazugehörige Hauptrolle auf den Leib schrieb. Heraus kam The Girlfriend Experience, ein typischer Soderbergh-Film im Stile von Sex, Lies and Videotapes. Nach so einem Erfolg wären die meisten Menschen aus dem Pornogeschäft ausgestiegen, doch Sasha Grey blieb. Die Feuilletons flippten aus und machten sie damit erst zu dem Star, der sie heute ist. Interessant an ihr war ihre Weigerung, sich von ihrer Vergangenheit zu distanzieren, und diese stattdessen in den schönsten Farben zu malen. Viele Menschen konnten das nicht nachvollsziehen, und so arbeiteten sich die Medien über lange Zeit an ihr ab. In unzähligen Interviews und Talkshows hatte sie jetzt die Gelegenheit für die emanzipatorische Kraft der Pornografie und nicht zuletzt für sich selbst werben, was sie mit größter Souverinität tat.

Doch nun hat sie also doch aufgehört und will sich mehr der Kunst widmen. Sie spielt in einer Noise-Band mit dem Namen atelecine und hat einen Erotik-Bildband herausgebracht, dessen Titel Neü Sex eine Anspielung auf ihre Lieblingsband Neu ist. Neu, die experimentelle Krautrockband, die in den 1970ern zusammen mit Kraftwerk und Can das Epizentrum der musikalischen Avantgarde bildeten. Da möchte Sasha Grey auch hin, ins Epizentrum der Avantgarde. Ob sie dieses Ziel erreicht, lässt sich schwer vorraussagen, doch wäre es ihr zu wünschen. Vielleicht sind ihr Erotik-Bildbände ja bald zu langweilig und sie findet mit eigenen Ideen den Weg zurück zum Porno. Gut passen zu ihr würde ein Comeback, welches sich an den Filmen von Richard Kern orientiert. In seiner Clique mit Leuten wie Lene Lovich, Henry Rollins oder der Band Sonic Youth, hätte sich Sasha Grey warscheinlich sehr wohlgefühlt

Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie es mit dieser symphatischen Dame weitergeht und wollen ihr an dieser Stelle unseren Dank dafür ausprechen, dass sie sich so kompromisslos für neue Formen der Pornografie eingesetzt hat und mit ihrem öffentlichkeitswirksamen Dasein als Pornostar recht fruchtbare Debatten über Sex im Film und modernen Feminismus auslöste. Dass es ihr letzten Endes nicht gelang, aus dem engen Korsett der Pornostandarts auszubrechen, muss man ihr nachsehen und eher den einfallslosen Regisseuren ankreiden. Sasha Greys Wille war auf jeden Fall da und Filme mit ihr sind immerhin im oberen Drittel der nach unten offenen Richterskala für Pornofilme anzusiedeln. Ihr großes Engagement vor der Kamera sprang häufig auf ihre Filmpartner und Partnerinnen über und so entstanden Pornos, die zumindest Authenzität mitbrachten. Auch hierfür vielen Dank.

Hier geht es jetzt jedenfalls weiter mit zwei Filmen die sich, wie und mit Sasha Grey, zum Ziel gesetzt haben, die Möglichkeiten des Pornofilms neu auszuloten: Malice in Lalaland und Pirates II. Beide Filme werden als Pornoklassiker der Moderne gehandelt. Starke Worte, die zur Überprüfung einladen. Beginnen wir mit Malice in Lalaland, ein lauter Film, der aber, wenn man sich was in die Ohren stoppft, doch ganz unterhaltsam ist.

 

 

Malice in Lalaland

 

Wäre der Film so toll wie das Cover der vorliegenden DVD, dann wäre Malice in Lalaland einer der besten Pornos aller Zeiten, denn das Cover ist wirklich großartig. Es kommt in Form eines bunten, 40seitigen Buches daher und beinhaltet eine lustige Comicversion des Films, eine ansprechende Fotocollage und eine großflächige psychodelische Zeichnung in der Buchmitte. Mit disem Cover ist auf jeden Fall für höchsten Distenktionsgewinn in DVD-Regal gesorgt, doch wie steht es um den Film? Ob man Mailice In Lalaland mag oder nicht, entscheidet sich nicht zuletzt am individuellen Musikgeschmack. Der Großteil der Sexszenen ist nämlich mit dem Sound der Speed-Metal-Band Aguardente unterlegt und das in einer einer ziemlich dominaten Lautstärke. Den Schreiber dieser Zeilen, der musikalisch wirklich für vieles offen ist, doch leider nicht für Speed-Metal, geht das ziemlich auf die Nerven, aber zumindest gibt es für die Musik schon einmal einen Pluspunkt für eine gewisse Undergoundästhetik. Und hat überhaupt jemand mal etwas von der Band Aguardente gehört? Wir haben uns intensiv bemüht über diese Urheber des Lärms etwas hereauszufinden und haben so gut wie nichts gefunden. Also schon wieder Underground. Aber ist Malice in Lalaland denn auch ein Ungerground-Porno? Hierzu ein klares "nein". Der Film spielt zwar mit Ungerground-Motiven, doch geschieht das mit zu viel Berechnung und technischer Perfektion.

Vielemehr haben wir es mit einem opulenten und eindrucksvoll fotografierten Videoclip zu tun, der zwar vergeblich versucht ein Roadmovie von Quentin Tarantino oder David Lynch zu imitieren, doch der dennoch gar nicht so schlecht ist. Und damit sind wir bei der Handlung des Films: Malice (gespielt Sasha Grey), nascht unmittebar am Anfang von einem psychoaktiven Pilz. Statt einem schönen Rauscherlebnis sehen wir Malice in der nächsten Szene in einer Nervenheilsanstalt an ein Bett gefesselt. Dort hält es Malice nicht lange, nämlich nur ca. 3 Minuten, denn schnell kommt ein kleiner Hase in ihre Zelle und befreit sie. Ein total gestörter Anstaltswärter nimmt die Verfolgung auf und die Reise durchs Lalaland, welches frapierende Ähnlichkeit hatmit der Wüste von Arizona, nimmt ihren Lauf. Malice lernt auf Flucht einige schräge Vögel kennen und mit eingen von ihnen hat sie Sex oder schaut ihnen beim Sex zu.

Angelehnt ist die Story an die Geschichte von Alice in Wonderland, doch mit dem Märchen von Lewis Carroll hat der Film eigentlich nur den Hasen gemein. Das wars, mehr Lewis Carroll gibt es nicht (den gibt es in der Verfilmung des Stoffes von Bud Townsend). Und wirklich tragen tut die Handlung den Film nicht. Es gibt atmosphärische Kamerafahrten durch das Lalaland, die dem ganzen ein wenig 70er-Jahre-B-Movie-Charme verleihen, doch leider keine spannenden oder überraschenden Regieeinfälle. Das kurze Wiedersehen mit Ron Jeremy ist eine weitere Referenz an die goldenen 70er, doch fällt dieses hochnotpeinlich aus. Anstatt mit Ron irgendwas vernünftiges anzustellen, lässt man ihn nur stumpfe Sätze wie "more big tits, please" grunzen. Ohne vorher in sexuelle Angelgenheiten verwickelt zu werden, wird er schließlich von dem gestörten Anstaltswärter erschossen. Gerade nochmal gutgegangen, sagt man sich, doch der lieblose Umgang mit einen der Hauptprotagonisten des Golden Age of Porn bezeugt, wie es um Mailice In Lalaland dramaturgisch bestellt ist, nämlich gar nicht bis ziemlich flach. Wie die Jagd nach Malice ausgeht, sei an dieser Stelle auch deshalb nicht veraten um die Spannung zu erhalten, sondern weil das Ende wirklich komplett egal ist.

Wichtig ist dagegen noch einmal anzumerken, dass der Film trotz der genannten Schwächen auch seine Qualitäten hat. Von einem wegweisenden Werk auf dem Gebiet der Pornokunst, als das der Film vielerorts gehandelt wird, kann zwar keine Rede sein, doch etwas Witz und stivoll gefilmten Starkstrom-Porno, der sich wohltuend von Mainstream abhebt, bietet der Film allemal. Er überzeugt auf die selbe Art wie es ein abgedrehtes Musikvideo von Lady Gaga, nur eben mit Speed-Metal-Sound und richtigen Hardcoreszenen. Letztere haben es zum Teil in sich. Vor allem die erste Szene, die die Oberaufseherin der Heilanstalt mit ihrer Kollegin und zwei Männern aus dem Eisfach hat und der Auftritt den Malice mit ihrem asiatischen Freund im Hotel ist ziemlich heiß (wenn nur diese laute Musik nicht wäre, aber für Fans ist das bestimmt ein Fest!). Auch die in Rotlicht gehaltene Lesbenszene, die Malice gleich mit zwei Damen hat und ein zweiter Auftritt des Asiaten ebenfalls mit zwei Damen machen ordendtlich was her (wenn nur die laute Musik nicht wär...). Andere Sexszenen des Films sind vergleichsweise langweilig und stereotyp, aber vier originelle Pornoeskapaden im coolen Ambiente sind doch schon mal ein Wort.

Den Bemühungen des Regisseurs Lew Xypher und seiner Crew, einen expermintellen Pornofilm zu drehen, ist auf jeden Fall Respekt zu zollen, auch wenn bei Weitem nicht alles geklappt hat. Besser, als die üblichen Pornoprodukktonen von heute ist der Film zweifellos und mit Sasha Grey hat er zudem er eine sehr hübsche Überzeugungstäterin in der Hauptrolle, was Pornofilmen immer gut tut. Somit ist Malice in Lalaland durchaus ein Film für die Sinne (vor allem für Menschen die auf Speed-Metal stehen...).

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