DEEP THROAT (USA 1972)

 

Linda (Linda Lovelace) kommt beim Sex nie zum Orgasmus. Ein Arzt (Harry Reems) findet den Grund: Linda hat ihre Klitoris im Hals. Linda beginnt mit ausgiebigen Blasübungen und findet schließlich ihr Glück.

Der Plot des Films ist originell, und dennoch ist Deep Throat nicht nur der bekannteste, sondern auch der qualitativ schlechteste unter den Pornoklassikern. Seinen Ruhm verdankt er dem Zufall der erste Porno zu sein, der mit einem verhältnismäßig hohen, angeblich aus Mafiakreisen stammenden Budget von 25,000$ ausgestattet war und der entsprechend professionell gedreht und vermarktet wurde. Verhältnismäßig hoch war schließlich auch der Ertrag. Der Film spielte über 600 Millionen Dollar ein.

Die Entstehungsgeschichte des Films sorgte immer wieder für Rummel und lasst ihn bis heute in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Die im Jahr 2002 im Alter von 53 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommene Hauptdarstellerin Linda Lovelace, soll zum Sex vor der Kamera gezwungen worden sein. Lovelace, die in den 80er Jahren zur einer Protagonisten der Anti-Porno-Bewegung wurde, schrieb nach ihrem Ausstieg aus der Pornobranche, dass es ein Verbrechen ist, den Film heute noch zu zeigen, weil jede Person, die den Film sieht, einer Vergewaltigung zuschaut. Von anderen Branchenkennern wird das wiederholt bestritten. Lindas Auftreten im Film wirkt jedenfalls sehr locker und auch die Zeichen von Gewalteinwirkung an ihrem Körper, die Gegner des Films gesehen haben wollen, sind nicht zu erkennen.

Herausgekommen ist in knapp 10 Drehtagen eine billige, historisch wichtige, doch bestenfalls amüsante Klamotte, die wenig sexy ist. Schauspielerische Qualität ist kurioserweise nur bei Linda Lovelace vorhanden und auch Harry Reems, dem für seinen ersten Filmauftritt 5 Jahre Haft drohten, spielt zumindest lustig den Part des durchgeknallten Arztes. Die Musik ist gelegentlich funky, doch ihr Einsatz kommt hölzern daher; die Pornoszenen sind ohne jeden Esprit und größtenteils dilettantisch. Von dem Können, welches Regisseur Gerard Damiano wenig später mit The Devil in Miss Jones, Memories Whitin Miss Aggie und The Satisfiers of Alpha Blue gezeigt hat, ist er hier weit entfernt. Auch Damiano selbst hält seinen berühmtesten Film für nicht gelungen.

Die Brisanz des Films war also nicht seiner Qualität geschuldet, sondern allein seiner sozialen Sprengkraft, die sich im gesellschaftlichen Klima der 70er-Jahre voll entfalten konnte. Deep Throat bzw. das Thema Oralverkehr waren Tagesgespräch, und nachdem sogar die New York Times über den neuen PornChic berichtete, standen Menschen aus allen sozialen Schichten stundenlang für eine Kinokarte an. Die renommierte Feministin Camillia Paglia äußert sich in der Dokumentation Inside Deep Throat (USA, 2004) wie folgt über den Skandalfilm: "Deep Throat war ein Meilenstein in der Geschichte der modernen Sexualität. Zum ersten Mal gingen die bürgerlichen Frauen der Mittlelschicht ins Pornokino. Er hat wirklich die traditionellen Anstandsregeln niedergerissen."

Was folgte, waren nicht nur diverse Auseinandersetzungen mit der Justiz und der amerikanischen Regierung unter Richard Nixon, die mit allen Mitteln versuchte, den Film zu verbieten, sondern auch das vielzitierte Golden Age Of Porn. Einen Pornofilm zu sehen hatte etwas von Rebellion und viele hochambitionierte Regisseure hatten nur eines im Sinn: an dieser Rebellion teilhaben und den besten Porno der Welt drehen. Trotz seiner Mittelmäßigkeit haben wir dem Film also viel zu verdanken.

Regie: Gerard Damiano

Darsteller/Innen: Linda Lovelace, Harry Reems, Dolly Sharp, Bill Harrison, William Love, Carol Connors, Bob Philips, u.a.

Laufzeit: 60 Minuten

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Deep Throat-Kunst des ASCII-Art Ensembles